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Evaluation des Gebrauchsvorteils neuer Exoprothesen der oberen Extremität

Autoren: Simmel, Stefan
Co-Autoren: Baumgärtler, H.
Rubrik: Passteile
Ausgabe: 11/2019
Seiten: 26-31
Jahrgang: 70
Schlüsselwörter: Indikationsprüfung, Amputation, Prothese, Hilfsmittel, Ergotherapie

Abstract

Moderne myoelektrische und multiartikulierende Prothesen nach Amputationen an der oberen Extremität stellen nicht nur Orthopädie- Techniker und Betroffene vor große Herausforderungen, sondern auch verordnende Ärzte, Therapeuten und nicht zuletzt den Kostenträger. Das Ziel der Versorgung ist letztendlich ein „Gleichziehen mit einem gesunden Menschen“, was jedoch heutzutage auch mit der modernsten Prothese (noch) nicht gelingt. Nichtsdestotrotz hat der Amputierte nicht nur Anspruch auf eine dem allgemein anerkannten Stand der technischen Entwicklung entsprechende Versorgung, sondern laut Bundessozialgericht auch auf neue Hilfsmittel, wenn sie für den Anwender Gebrauchsvorteile bieten, die sich auf seinen gesamten Alltag auswirken – dies gilt auch dann, wenn das bisher genutzte Hilfsmittel noch intakt ist. Die Feststellung dieses erheblichen Gebrauchsvorteils im Alltag stellt jedoch eine große Herausforderung dar, da laut Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesauschusses fürdie Bedarfsfeststellung nicht nur die medizinische Diagnose maßgeblich ist. Vielmehr ist unter Bezug auf das bio-psycho-soziale Modell der ICF eine Gesamtbetrachtung erforderlich, und der Bedarf, die Fähigkeit zur Nutzung sowie die Prognose und das Ziel einer Hilfsmittelversorgung sind auf der Grundlage realistischer und alltagsrelevanter Anforderungen zu ermitteln. Vor diesem Hintergrund wird in der BGU Murnau im Rahmen einer mehrtägigen stationären Evaluation der Gebrauchsvorteil der gewünschten neuen Prothetik durch Vergleich mit der vorhandenen Versorgung ermittelt, um eine sachlich funVersorgung mit der neuen Prothese treffen zu können. Dazu erfolgt zunächst eine umfangreiche Abklärung der Möglichkeiten der vorhandenen Prothetik. Nach der Probeversorgung mit der zu testenden Prothese und einer intensiven Gebrauchsschulung wird das Assessment nach einigen Tagen mit dem neuen Prothesenpassteil wiederholt. Orientiert an der ICF werden die Bedienung der Prothese auf der Funktionsebene und die Nutzung auf der Aktivitätsebene überprüft. Zur Bewertung der Partizipationsfähigkeit werden komplexe Tätigkeiten in Alltagssituationen überprüft, die gemeinsam mit den Probanden ermittelt werden. Besondere Beachtung finden der spontane Gebrauch, mögliche Ausweichbewegungen sowie die Entlastung der gesunden Gegenseite und der Wirbelsäule. Die Evaluation des Gebrauchsvorteils ermöglicht eine fundierte Aussage hinsichtlich der medizinischen Notwendigkeit der neuen Versorgung, die auf jahrelanger Erfahrung und standardisierten Assessments beruht. Der Kostenträger erhält hierdurch die Möglichkeit, dem Amputierten das tatsächlich individuell geeignete Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen und die notwendige Qualitätssicherung durchzuführen, um die hohen Kosten moderner Prothetik zu rechtfertigen.

Advanced myoelectric and multi-articulating prostheses after upper limb amputations represent major challenges not only for orthopaedic technicians and affected individualsdierte Aussage hinsichtlich der but also for physicians prescribing the device, therapists, and funding agencies. The objective of treatment is ultimately to achieve “equivalence with healthy people”, however, this cannot be accomplished now even with stateof- the-art prostheses. Nevertheless, the amputee is entitled to treatment that not only complies with the generally recognised state of technical development, but according to the German Federal Social Court, the amputee is also entitled to new devices if there are benefits that have an impact on his/her everyday life. This applies even if the previously used device is still intact. However, determining this significant benefit in everyday life poses a major challenge since, according to the medical device guidelines of the Federal Joint Committee, need is not determined solely by the medical diagnosis. With reference to the bio-psycho-social model of the International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF), an overall context is required, and the need, ability to utilise and prognosis and objective of a medical device must be determined based on realistic and relevant everyday life requirements. In view of the above, at BGU Murnau, the benefit of the requested new prosthesis is determined by comparing it with the existing prosthesis in an inpatient evaluation over the course of several days in order to make a sound, objective statement of the medical necessity of providing the new prosthesis. Initially, all options using the existing prosthesis are evaluated extensively. Following a trial with the new prosthesis including intensive training, a new assessment with the new prosthesis component is conducted after several days. Based on the ICF, control of the prosthesis at a functional level and use on the activity level are evaluated. To assess the ability to participate, complex activities of everyday situations that were established jointly with the subjects are reviewed. Particular focus is on spontaneous use, potential avoidance movements, and relieving the healthy contralateral side and spine. The evaluation of the benefi ts of the new device allows a sound statement to be made regarding medical necessity based on years of experience and standardised assessments. This allows the funding agency to provide the amputee with the most suitable medical device and conduct the necessary quality assurance to justify the high costs of advanced prosthetics.

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