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Facebook: Erste Schritte und Tipps für den Anfang

Die Starter-ToDo-Liste von Jürgen Christ, Kommunikationsberater, Fachautor und Dozent für Onlinemedien aus Leipzig.

Während Facebook-Profile für den privaten Gebrauch gedacht sind, nutzen Firmen Facebook-Seiten, um sich auf der Plattform öffentlich darzustellen (Der erste Schritt für Unternehmen auf Facebook: das Erstellen einer Seite).

Private Facebook-Profile können maximal 5.000 Freunde haben. Die Zahl der Fans einer Unternehmens-Seite ist nicht begrenzt. Fans werden über den „Gefällt mir“-Button gewonnen und müssen – im Gegensatz zu „Freundschaftsanfragen“ bei Facebook-Profilen – nicht extra akzeptiert werden. Das liegt darin begründet, dass der Inhaber eines Facebook-Profils selbst entscheiden kann, mit wem er befreundet sein möchte. Für eine Firma wäre es umständlich, jedes „Like“ zu bestätigen – und zudem wollen Unternehmen unkompliziert möglichst vielen gefallen  (Weitere Informationen über die Unterschiede unter anderem zwischen Seiten und Profilen.

Die Inhalte von Facebook-Seiten sind immer vollständig öffentlich sichtbar – im Gegensatz zu Profilen auch für nicht bei Facebook angemeldete Nutzer. Bei Profilen kann die Sichtbarkeit bestimmter Inhalte zudem durch Privatsphäre-Einstellungen nur einem bestimmten Freundeskreis zugänglich gemacht werden. Aufgrund ihrer Öffentlichkeit kann Google Facebook-Seiten indexieren (Facebook für Anfänger – Fanseite vs. privates Profil).

Schließlich bieten die Unternehmens-Seiten etliche „Profi“-Möglichkeiten. So lässt sich zum Beispiel Facebook-Werbung nutzen. Es lassen sich Berechtigungen zuweisen, damit Mitarbeiter beispielsweise Beiträge auf Seiten veröffentlichen – posten – können. Des Weiteren liefern sogenannte Seiten-Insights (Informationen zu Seiten-Insights-Daten. Einblicke unter anderem in die Besucherzahlen sowie die demografischen Daten des Publikums der Seite.

Nicht zu verschweigen sind datenschutzrechtliche Bedenken hinsichtlich der Facebook-Fanpages bzs,. Insights („Facebook-Fanpage: Bringt die Insights-Ergänzung Rechtssicherheit?“ sowie „Neue AGB für ‚rechtskonforme’ Fanpages: So dreist drückt sich Facebook um Haftung für Datenschutz-Verstöße“, Juristin Anja Neubauer auf Meedia).

Achtung: Um eine Facebook-Seite einzurichten und zu betreuen, ist ein privates Facebook-Profil notwendig. Denn jede Seite ist mit einem Profil verknüpft. Aufgrund der Klarnamenpflicht für Facebook-Profile sind deren Inhaber so identifizierbar. Es ist ausdrücklich davon abzuraten, Fake-Profile unter falschen bzw. Fantasienamen anzulegen (Videotipp: „Brauche ich ein privates Facebook-Profil, um eine Unternehmensseite zu betreuen?“).

Nach den Facebook-Richtlinien muss hinter einem Facebook-Profil eine echte Person stehen. Jeder Mensch darf nur eines besitzen – und sein Passwort nicht weitergeben (Facebook-Richtlinien).

Wer dagegen verstößt, dem droht die Sperrung. Das wäre dann in der Konsequenz der „Super-Gau“ für eine Unternehmensseite. Des Weiteren verstößt ebenfalls gegen die Facebook-Nutzungsbedingungen und riskiert die Sperrung, wer mit einem Profil nicht seine Person, sondern sein Unternehmen darstellt (Eine Seite erstellen und verwalten).

Das persönliche Facebook-Profil und die Seite behandelt Facebook als separate Einheiten, sodass Informationen vom Profil nicht auf der Seite erscheinen (Ausnahme: Sie werden vom Inhaber des Profils geteilt). Weiterhin stellt Facebook den Business Manager als spezielles Werkzeug zur Verfügung, um Seiten sowie Werbekonten unabhängig vom persönlichen Facebook-Profil zu verwalten, Privates und Berufliches besser zu trennen (Informationen zum Business Manager).

Fazit

Für eine private, nichtkommerzielle Nutzung ist das persönliche Profil gedacht mit der Möglichkeit, Freunde hinzuzufügen. Dem geschäftlichen Gebrauch dient die Facebook-Seite, die am „Gefällt mir“-Button zu erkennen ist.

Tipp

Das mit der Unternehmensseite verbundene persönliche Profil sollte vom Inhaber oder Geschäftsführer angelegt werden. Macht dies ein Mitarbeiter oder eine Agentur, kann es Probleme geben, wenn sich die Wege trennen. Denn die Übertragung eines Facebook-Kontos bedarf laut Nutzungsbedingungen der Genehmigung durch Facebook.

Loslegen!

Schritt 1: In den Wald rufen? Strategie bestimmen

Welche Strategie verfolgt der Facebook-Auftritt des Unternehmens? Was ist das Ziel, an dem sich später Erfolg bemessen lässt? Welche Zielgruppe soll primär erreicht werden? Potenzielle Azubis, neues Fachkräftepersonal, Kunden, Neukunden ... Welchen Mehrwert kann die Facebook-Seite dieser Zielgruppe bieten, um Beachtung zu finden? Und ist es überhaupt wahrscheinlich, die Zielgruppe auf Facebook anzutreffen (bei Kunden über 70 ist dies heute noch eher unwahrscheinlich). An Strategie und Zielgruppe orientieren sich letztlich die Inhalte.

Schritt 2: Lernen! Mitbewerber beobachten

Was macht die Konkurrenz? Stets verfolgen, wie andere Sanitätshäuser oder Handwerksbetriebe auf Facebook agieren – und daraus für den eigenen Auftritt lernen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihren Social-Media-Erfahrungen befragen.

Schritt 3: Claim abstecken! Unternehmensseite anlegen

Das „digitale Grundstück“ sichern. Dazu das persönliche Profil anlegen und dann die Unternehmensseite inklusive Kategorie (Eine Unternehmensseite auf Facebook anlegen). Üblicherweise wird für die Unternehmensseite der Firmenname gewählt. Bitte beachten: Seitennamen bei Facebook dürfen unter anderem nicht ausschließlich aus allgemeinen Begriffen oder Standorten sowie ebenso wenig nur aus Großbuchstaben bestehen (Richtlinien für Seitennamen).

Schritt 4: Wer macht’s? Verantwortlichkeit bestimmen

Ohne ausreichend Zeit und Begeisterung geht nichts. Es ist deshalb wenig sinnvoll, irgendwem aus der Firma den Facebook-Auftritt „aufzudrücken“. Nicht zuletzt muss der Tonfall dem Selbstverständnis des Betriebs entsprechen. Optimal ist, wenn sich jemand ausschließlich mit dem Auftritt befasst – gerade in größeren Unternehmen. Doch wenn Meisterin oder Meister internetaffin sind und sich täglich Zeit freischaufeln, kann auch dies eine Lösung sein – darf aber nicht zu Überlastungen führen. Zu Beginn ein bis zwei Stunden wöchentlich einkalkulieren, Zeitlimits setzen. Dabei bedenken: Schnelle und kompetente Reaktionen auf Anfragen oder Kommentare sind ein Muss. Entsprechend sind Freigabeprozesse für eigene Inhalte im Betrieb möglichst knapp zu halten.

Schritt 5: Gesicht geben! Titelfoto und Profilbild

Das  Profilbild ist die „Visitenkarte“, auf der Unternehmensseite häufig das Firmenlogo. Außerdem lebt eine Facebook-Präsenz stark vom Titelbild. Dies sollte aussagekräftig sein, möglichst individuell und zeigen, wofür man steht. Später kann man das Titelfoto ab und an austauschen, um Dynamik zu erzeugen. Optimale Größen und Formate für Profilfoto und Titelbild. Zu empfehlen ist ein Test der Seite auf verschiedenen, vor allem mobilen Endgeräten. Übrigens lässt sich genauso ein Titelvideo hinzufügen (Titelvideo zur Seite hinzufügen oder ändern)

Schritt 6: Fundament bauen! Seiteninformationen, Impressum, Datenschutz

Zu den wesentlichen Bausteinen gehören Informationen über das Unternehmen wie Adresse, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Website, Öffnungszeiten, Details zur Geschichte, gegebenenfalls Filialstandorte (Wie sich eine Seite mit allgemeinen Informationen anreichern lässt; Was sich auf einer Facebook-Seite einrichten lässt – und womit man beginnen sollte).

Wichtig: Ein korrektes Impressum ist gesetzliche Pflicht (Impressum zur Seite hinzufügen). Zum Einbinden einer Datenrichtlinie gibt es verschiedene Möglichkeiten, unter anderem über das Info-Menü („Einbinden der Datenrichtlinie auf Facebook“ vom April 2018), weitere Empfehlungen gehen darüber hinaus („Anleitung: Informationspflichten auf Facebook Fanpage“  von Rechtsanwalt Marinus Stehmeier, 22. Oktober 2018, sowie „Wird Facebook legal? – Anleitung für Seitenbetreiber zum ‚Page Controller Addendum’ von Dr. Thomas Schwenke inklusive Hinweis auf einen Datenschutz-Generator, 11. September 2018 ).

Schritt 7: Prototyping statt Masterplan! Erste Inhalte produzieren

Digitale Projekte plant man nicht für die Ewigkeit, sondern arbeitet eher nach Prototyping-Verfahren. Simpel ausgedrückt: Probieren geht über Studieren. Wer erst einen durchkonstruierten Masterplan für alle Eventualitäten am Reißbrett entwickelt, wird meist von der Zeit überholt – und startet nie. Deshalb erste Inhalte produzieren, Erfahrungen sammeln und das Angebot im Lauf der Zeit optimieren. Da Facebook sehr visuell ist, sollten gleich in den ersten Wochen inhaltlich passende Fotos hochgeladen werden – das bringt Bewegung in die Sache. Am besten sind „Eigenproduktionen“ – Teambilder, Aufnahmen bei der Arbeit, von erfolgreichen Versorgungen etc. Auf Herstellerfotos kann man zurückgreifen, sollte diese aber durch eigene Meinungen bzw. Bewertungen ergänzen. Gut ist, das gesamte Team als Tippgeber für Inhalte von Beginn an ins Boot zu holen.

Schritt 8: Freundbeobachtung! Feedback einholen

Mitarbeiter, befreundete Unternehmen, Stammkunden um Feedback zur Seite bitten. Es lohnt sich ebenfalls, die Interaktionen der Zielgruppe mit der Seite, Kommentare etc. zu beobachten. Interaktion mit dem Publikum bringt auch der Messenger (Warum man ihn nutzen sollte). Hilfreich ist im Übrigen der Call-to-Action-Button (Handlungsaufruf) für Facebook-Seiten. Vorteil: Ist er zum Beispiel mit der Telefonnummer verknüpft („Jetzt anrufen“), kann der Kunde mit dem Smartphone sofort anrufen, ohne die Nummer eintippen zu müssen (Wie man einen Call-to-Action-Button hinzufügt).

Schritt 9: Trommeln! Facebook-Auftritt bekannt machen

Den Hinweis auf die Facebook-Präsenz nie vergessen – ob auf allen Werbemitteln wie Flyern, Postern, Werbeplakaten, Briefpapier, E-Mail-Signatur, auf Veranstaltungs-Handzetteln, natürlich auf der eigenen Website, auf Firmenfahrzeugen, Rechnungen, Kassenquittungen ... Ebenso bei Kundengesprächen im Laden darauf hinweisen, vor allem mit jüngeren Kunden.

Schritt 10: Keine Schnellschüsse! Dranbleiben

Ein Jahr sollte man sich mindestens geben. Oft erweist sich erst im Lauf der Zeit, was funktioniert – und wie viel Spaß diese Art der direkten Kommunikation macht. Auch bei Durststrecken: regelmäßige inhaltliche Updates nicht vergessen. Denn eine verwaiste, ungepflegte Unternehmensseite wirkt wie ein Laden mit verschmutzter Schaufensterscheibe, vor dessen Eingang das Unkraut sprießt.

Cathrin Günzel