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„Futuring“ in der Technischen Orthopädie

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Der Futurist Hans Georg Näder in den ehrwürdigen Räumen der ehemaligen Bötzow-Brauerei in Berlin. Auf dem Areal am Prenzlauer Berg siedelt Ottobock sein Futurelab mit integrierten Fablab an. Foto: Ottobock

„Die Branche, in der wir uns gemeinsam bewegen, hatte ihre Start-up-Phase im Umfeld des Versorgungsbedarfs der Kriegsopfer nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Das trifft auch auf meinen Großvater Otto Bock zu, der unser Unternehmen 1919 gegründet hat. 99 Jahre später steht die Technische Orthopädie, international als O & P bekannt, vor einer disruptiven Transformation: der radikalen Digitalisierung, die mit dem Frontend des Versorgungsprozesses der Maßnahme getrieben anfangen wird. Die einzelnen Schritte des digitalen Fertigungsprozesses „Scanning – Checking – Transmitting – Printing“ insbesondere im Bereich der Prothesensockets, der Cosmetics Covers sowie vieler Orthesendesigns, werden die Technische Orthopädie und die orthopädische Werkstatt radikal verändern. Mehr Zeit für den Patienten, den Arzt bzw. Therapeuten sowie die Familienangehörigen sind ein wundervolles Ergebnis dieses Veränderungsprozesses, den wir als Chance denn als Bedrohung sehen sollten. Die digitale Transformation kommt so oder so – ein Worst Case von ganz neuen disruptiven, außerhalb unserer Branche kommenden Anbietern. In der Orthetik werden Exoskelette zum größten Wachstumstreiber in der Technischen Orthopädie. Sie mobilisieren Querschnittsgelähmte und MS-Patienten, bringen Patienten nach Schlaganfall zum Stehen und Gehen.

Die Fallzahlen werden in den nächsten Jahrzehnten ein Vielfaches der Amputierten in Deutschland aber auch weltweit ausmachen und damit die Technische Orthopädie be­ ügeln. Diese technische Revolution ist nur möglich durch die moderne Biomechanik und Messtechnik – dank Mechatronik und Mensch- Maschine-Interfaces. Deutschland nimmt wieder einmal eine führende Rolle ein, diesmal in der Bionik. Vorausschauend hat der BIV-OT seine Ausbildungsangebote um Studiengänge erweitertet. Auf meine Initiative hin wurden mit dem Bachelor- und Masterstudiengang Orthobionik an der Privaten Hochschule Göttingen (PFH) die Weichen auf Zukunft gestellt. Ziel ist es, dass der Inhaber/Chef des O & P-Labs mit dem Master in Orthobionik auf Augenhöhe mit dem Arzt und dem Kostenträger selbst verordnen kann. Wissen und Kompetenz dafür hat er allemal. Auf der „SXSW“ im März dieses Jahres in Austin kommentierte die globale Tech-Gemeinde mechatronische Handprothesen wie auch Kniegelenkssysteme sowie mechatronische Füße bzw. Knöchelgelenke als die idealen Komponenten für zukünftige Generationen von Cyborgs – Global O & P als Fitting- Center für Cyborgs zu bezeichnen wäre noch etwas verwegen – wobei die Verschmelzung von Mensch und Maschine nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

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Was die Medizin nicht vermag, übernimmt die Medizintechnik: Exoskelette lassen Querschnittsgelähmte wieder gehen. Foto: Douglas Younger III (eksobionics)

Trotz aller Fortschritte dürfen wir den Respekt vor der Natur nicht verlieren. Mit dem iPhone als quasi Cyborgs like Handheld als Extended Brain mit hoher Rechenleistung ist ein erster Schritt getan, wie ich anlässlich meines TED-Vortrags auf der SXSW als These thematisieren durfte. Davon geht übrigens auch Tesla-Gründer Elon Musk aus, wie noch in der Wirtschaftswoche in derselben Woche zu lesen war. Technologischer Change in der digitalisierten Welt läuft auf Highspeed – die Branche wird sich in Logistiker und Techies teilen, in Volumenspezialisten und hochqualizierte Spezialisten. Meine Familie und Ottobock werden mit unseren „Wearable Human Bionics“ bei den Techies mitspielen. Zur anstehenden OT World in Leipzig möchte ich nur sagen: Wow, wie cool ist diese Branche und diese Veranstaltung als Fenster zum „Futuring“ der Technischen Orthopädie, wie attraktiv sind die Ausbildungsprogramme, wie empathisch ist unser gemeinsames Tun!!"

Hans Georg Näder