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Auf der Suche nach dem Erkenntnisgewinn

Nicht erst seitdem Wearables und Fitness-Apps konstant persönliche Nutzer-informationen ins Internet spülen, sammelt die Gesellschaft eine gigantische Menge an Daten; die Rede ist von Big Data. Besonders im Gesundheitswesen birgt Big Data große Potenziale, bringt aber auch Risiken mit sich.

Der Begriff „Big Data“ – im deutschsprachigen Raum auch als „Massendaten“ bekannt – bezeichnet die Verarbeitung gewaltiger, überwiegend ungeordneter Informationsmengen zur Gewinnung neuer Erkenntnisse. Die Daten selbst haben ihren Ursprung zudem in den unterschiedlichsten Quellen. Informationen können aus allen Bereichen des menschlichen Lebens stammen: von der Patientenakte bis hin zum Facebook-Profil. Sogar der Gefühlszustand wird Teil dieser riesigen Informationswolke. Doch nicht allein das unglaubliche Volumen charakterisiert den schwierigen Umgang mit Big Data. Aus der exponentiell wachsenden Flut an Daten müssen die tatsächlich wichtigen Informationen herausgefiltert, die richtigen Schlüsse gezogen werden – angesichts der fehlenden Struktur und der großen Komplexität eine Mammutaufgabe.

Potenziale im Gesundheitswesen

So vielfältig wie der Ursprung der Daten können ihre Anwendungsmöglichkeiten sein: In der Forschung steht besonders die Auswertung statistischer Erkenntnisse im Vordergrund, Unternehmen versprechen sich Wettbewerbsvorteile und Einsparmöglichkeiten, und staatliche Stellen setzen auf Fortschritte in Sachen Kriminalitäts- oder Terrorismusbekämpfung. Gerade im Gesundheitswesen attestieren Experten ungeahnte Potenziale: „Big-Data-Technologien bieten Chancen für die Weiterentwicklung von Behandlungsmöglichkeiten, die die Einzigartigkeit eines jeden Einzelnen noch stärker berücksichtigen“, erklärt Doris Berve-Schucht, Pressereferentin des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Stichworte seien Präzisions- oder individualisierte Medizin. „Denkbar ist der Einsatz dieser Technologien auch für die Gewinnung neuer Erkenntnisse und für weitere Fortschritte in der Medizin und in der Medizintechnik“, ergänzt Berve-Schucht. 

Grundlagen sind sowohl historische als auch Echtzeitdaten, das Erkennen aktueller Zusammenhänge wie auch die Prognose zukünftiger Entwicklungen. Ein mögliches Einsatzgebiet ist die Gesundheitsprävention. Dabei werden individuelle Patienteninformationen mit weiteren Daten kombiniert, um so frühzeitig Aussagen über Krankheitsbilder und geeignete Gegenmaßnahmen treffen zu können. Big-Data-Technologien können aber auch zur Entscheidungsfindung dienen, wenn eine einzelne Diagnose mit unzähligen anderen abgeglichen wird. Zusätzlich gibt es u. a. Anwendungsbereiche im Gesundheitsmonitoring, in der Leistungs- und Qualitätskontrolle
sowie im Versorgungsmanagement.

Problemfeld Datenschutz

Zwei große Problemfelder sind aktuell noch die Bereiche Datenschutz und Datensicherheit. Gerade bei der Speicherung von Gesundheitsdaten werden besondere Anforderungen bezüglich des Datenschutzes gestellt, weil sie hochsensible Informationen über Patienten und behandelnde Ärzte enthalten. Bei der Analyse großer Bestände können trotz der Löschung persönlicher Daten wie Name, Adresse und Geburtsdatum durch Kombination mehrerer Quellen Rückschlüsse auf die Identität erfolgen. Umgehen lässt sich das allein durch die sogenannte De-Identifikation. Dabei werden zusätzlich zu persönlichen Daten Informationen entfernt, die solche Rückschlüsse erlauben. Eine solche Anonymisierung verschlechtert aber neben der Kombinationsfähigkeit die Aussagekraft der Analysen allgemein. Schließlich kann man im Vorfeld kaum bestimmen, welche Daten letztendlich von Bedeutung sind, weil ein Charakteristikum von Big-Data-Untersuchungen darin besteht, neue, unbekannte Muster zu identifizieren.

Alexander Müller

Studie zur E-Health- Strategie des BMG

Unter dem Titel „Weiterentwicklung der eHealth-Strategie“ hat das Bundesministerium für Gesundheit Ende 2016 eine umfangreiche Studie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens herausgegeben. Schwerpunkte sind das Zusammenspiel der Phänomene E-Health und Big Data sowie deren Risiken, Chancen und Potenziale. Oberstes Handlungsziel ist die zeitnahe Erhöhung der Versorgungsqualität durch den sinnvollen Einsatz von E-Health und Big Data im Gesundheitswesen.
Die Studie ist abrufbar unter: www.bundesgesundheitsministerium.de -> Ministerium -> Meldungen -> 2016 -> November -> E-Health-Studie veröffentlicht